Wie lange ist THC im Körper (Blut und Urin) nachweisbar?

Michael Saurug
16. Dezember 2019

Tetrahydrocannabinol, auch kurz THC, genannt, ist der psychoaktive und größtenteils illegale Wirkstoff in Marihuana. Er sorgt unter anderem für das “High”-Gefühl und kann mehrere Tage oder sogar Wochen lang im menschlichen Körper nachgewiesen werden.

Wie wird THC im Körper nachgewiesen?

THC kann auf verschiedenen Arten im Körper nachgewiesen werden. Dazu bedarf es spezieller Drogentests, die teilweise als Schnelltests, besonders bei Verkehrskontrollen angewendet werden können. Spuren von THC oder Marihuana sind sehr schnell nachzuweisen, zum Beispiel mit THC-Schnellteststreifen und können im Urin, Blut, in Haaren und Speichel gefunden werden. 

Im Gegensatz zu Alkohol lässt sich bei THC der Grad der Beeinträchtigung, die der Konsum von Marihuana nach sich zieht, nicht so einfach feststellen. Dazu bedarf es ausführlicherer Labortestungen. 

Der gemeinhin gebräuchliche Schnelltest zum Nachweis von THC im Feld, ist der Duquenois-Test. Dieser ist aber nicht zu 100% zuverlässig, da erwiesenermaßen auch andere Substanzen ausschlagen können. Der Vorteil ist, dass er einfach und schnell durchzuführen ist und sich Teststreifen auch immer Internet problemlos kaufen lassen:

Wie lange lassen sich Spuren im Körper nachweisen? 

Wie lange sich nun Spuren von THC tatsächlich nachweisen lassen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Körperfettanteil der getesteten Person
  • Wie oft Marihuana/THC konsumiert wird
  • Menge, die konsumiert wird
  • Empfindlichkeit des Tests

Im Vergleich zu Alkohol verbleibt THC sehr viel länger im Organismus. Alkohol ist schon nach wenigen Stunden kaum mehr nachweisbar, wohingegen THC mehrere Wochen nachweisbar sein kann. 

Drogentests können THC im Urin, Blut und in den Haaren mehrere Tage lang nachweisen. Der Nachweis im Speichel ist allerdings nur wenige Stunden lang möglich. 

In Untersuchungen im Jahr 2017 ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass der Konsum eines einzelnen Marihuana-Joints bis zu 3 Tage lang nachweisbar ist. 

Dieselbe Studie belegte, dass dieses Zeitfenster der positiven Testung unterschiedlich groß ist, je nach Konsumverhalten. 

  • Der Test ist positiv bis zu 3 Tage bei Jemandem, der zum ersten Mal Marihuana konsumiert. 
  • Der Test ist positiv bei Jemandem für 5-7 Tage, der 3-4 mal die Woche Marihuana konsumiert
  • Der Test ist positiv bei Jemandem für 30 Tage und sogar länger, der einmal pro Tag oder öfter Marihuana konsumiert

Diese Zeitfenster hängen natürlich auch von der Art des Tests und welche Körperparameter dafür herangezogen werden, ab. 

Wie lange im Blut nachweisbar?

Blutabnahme zur Testung auf THC Konsum
Blutabnahme zur Testung auf THC Konsum

THC ist für 6 Stunden bis zu 24 Stunden bei chronischem Konsum im Blut nachweisbar.

Marihuana, das geraucht wird, hat direkten Zugang zu den Blutgefäßen über die Lunge. Der High-Effekt tritt daher unverzüglich ein und die absolute Menge an Wirkstoff, die in den Kreislauf gelangt liegt bei bis zu 60%. Die Wirkung ist insgesamt aber mit ca. 2 Stunden von kürzerer Dauer als beim oralen Konsum mit bis zu 6 Stunden. 

Die folgende Grafik beschreibt die Konzentration von THC im Blut bei oralem Konsum im Vergleich zum “High”-Gefühl. Deutlich zu erkennen ist dabei, dass die THC Konzentration bereits nach einer Stunde maximal hoch ist und danach rapide abnimmt. Das “High”-Gefühl erreicht seinen Höhepunkt aber erst nach ca. 3 Stunden und nimmt langsamer ab.

THC Konzentration im Blut im Vergleich zum
THC Konzentration im Blut im Vergleich zum “High”-Gefühl (Daten von Ohlsson et al.)

Im Gegensatz dazu steht THC das durch oralen Konsum, sprich über den Verdauungstrakt konsumiert wird. Laut Leafly.com liegt hierbei liegt die Aufnahmerate nur bei 10-20%. Durch den Metabolismus der Leber und des Verdauungstraktes wird die Menge THC, die letztendlich in den Blutkreislauf kommt, erheblich reduziert und die Aufnahme an sich geht sehr viel langsamer als beim Rauchen vor sich. 

Dadurch dass THC fettlöslich ist (im Gegensatz zu Alkohol, der wasserlöslich ist), kann es einfach vom Blut in Fettzellen übertreten. Das führt dazu, dass die Nachweisbarkeit im Blut von relativ kurzer Dauer ist, der Wirkstoff in den Fettzellen aber sehr wohl länger, nämlich bis zu 3 Wochen, nachweisbar ist. Da der Körper aber Fettzellen im Zuge des Metabolismus um- und abbaut, werden die THC-Moleküle wieder ins Blut abgegeben. Je öfter Marihuana konsumiert wird, desto mehr THC ist in den Fettzellen vorrätig. 

Beim Rauchen hat die THC-Konzentration nach ca. 10 Minuten ihren Höhepunkt erreicht. Beim oralen Konsum dauert dies ca. 2 bis 3 Stunden. Der Nachweis von THC im Blut zeigt allerdings lediglich, DASS Marihuana unlängst konsumiert wurde, nicht in welcher Dosis und auch nicht genau wann (Stichwort chronischer Konsum vs. leichter Konsum).

Wie lange im Urin nachweisbar? 

Der THC Nachweis im Urin ist üblich und wird oft durchgeführt. Das Zeitfenster für einen positiven Nachweis kann hierbei stark variieren. THC ist nachweisbar bis zu 3 Tage bei seltenem/leichten Konsum bis hin zu durchschnittlich 30 Tage oder auch länger bei chronischem Konsum. 

THC Urintests sind unter anderem auch am Arbeitsplatz üblich. Die dort angewandten Tests werden RIA oder EMIT Test genannt. Beide Testmethoden werden zur Kleinstmengenüberprüfung von Stoffen im Körper bzw. zur Untersuchung auf Drogen angewandt. Urintests können keine Beeinträchtigung durch Marihuana anzeigen. Sie können lediglich feststellen, ob sich Marihuana im System befindet bzw. kürzlich konsumiert worden ist. 

Wie lange in den Haaren nachweisbar?

 

Der THC Nachweis anhand von Haaren ist eine eher unzuverlässige Methode, da der Test auch positiv ausfallen kann bei Leuten, die kein Marihuana konsumiert haben. 

Der Grund dafür ist, dass die Stoffe, die einen positiven Test auslösen (chemische Formeln sind THC, THCA-A und THC-COOH), können von einem Marihuanakonsumenten auf einen Nichtkonsumenten mittels Handschlag, Schweiß oder ausgeatmeten Rauchs übertragen werden. 

Neueste Studien belegen allerdings, dass vor allem die langzeitige Intensität des Marihuanakonsums ausschlaggebend für einen positiven Test ist. Dabei wer Wirkstoff THC bei 77% aller schweren Marihuanakonsumenten und bei 39% der leichten Marihuanakonsumenten anhand der Haare feststellbar. 

Die Schlussfolgerung daraus ist, dass a) der Nachweis von THC bzw. des Konsums von Marihuana anhand der Haare möglich ist und b) dieser Nachweis in vielen Fällen unzuverlässig sein kann. 

Wie viel Marihuana muss man rauchen, damit ein Drogentest positiv ausfällt? 

Schon kleine Mengen THC können bei Tests festgestellt werden. Die genaue Menge die zu einem positiven Test führt, ist allerdings noch durch wenig Forschung bestimmt.

Fest steht, dass chronischer Konsum von Marihuana zu einer höheren Wahrscheinlichkeit eines positiven Testergebnisses führt als sporadischer Konsum. 

Drogentest im Labor
Drogentest im Labor

Die Konzentration von THC im Urin sind laut Studien am höchsten 30min bis 7,5h nach dem Konsum. Diese Tests können THC bei 100% der getesteten chronischen Konsumenten feststellen.  

Bei der Untersuchung von Haaren kam man zu dem Schluss, dass 77% der Personen, die mindestens einmal am Tag Marihuana konsumieren und 39% der Personen, die 3-4mal wöchentlich Marihuana konsumieren, positiv auf den Test reagieren. Nicht-Konsumenten haben in der Regel keine positiven Ergebnisse, obwohl die Möglichkeit besteht. 

Wie funktioniert der Abbau im Körper?

Laut Dr. Grotenhermen wird THC vor allem in der Leber und im oberen Darmbereich abgebaut. Da in der Reihenfolge die Leber gleich nach dem oberen Darmbereich steht was den Blutfluss angeht, wird ein Großteil des THC gleich am Anfang bei oralem Konsum abgebaut. Deswegen ist die Bioverfügbarkeit bei oralem Konsum auch so gering im Vergleich zum Rauchen von Marihuana, TROTZ der Aufnahme von 100% des Wirkstoffs in den Verdauungstrakt. 

Beim Rauchen geht der Wirkstoff über die Lungengefäße direkt ins Blut über und erreichen dabei das Herz, innere Organe und das Gehirn zuerst, noch bevor es an die Leber zur Reinigung geschickt werden kann. Von der Lunge wird bei diesem Prozess zwar insgesamt weniger THC aufgenommen, aber die Bioverfügbarkeit liegt hier mit bis zu 60% weit höher als bei dem Weg über die Verdauung. Die prominentesten Abbauprodukte von Marihuana sind THC-Carbonsäure (THC-COOH) und 11-Hydroxy-THC (11-OH-THC). 

Die Ausscheidung dieser Abfallprodukte passiert dann innerhalb der nächsten Tage oder Wochen. ⅓ wird dabei über Urin und ⅔ über Stuhl abgeführt. 3 Tage später ist das THC im Körper zu mehr als der Hälfte verschwunden. 

Wie bekommt man THC schnellstmöglich wieder aus dem Körper?

Auch hier gilt: je öfter und stärker man Marihuana konsumiert, desto schwieriger wird es, das THC aus dem Körper zu bekommen. Da die THC-Moleküle auch in den Fettzellen eingelagert werden, ist eine rasche Entfernung durch zum Beispiel Spülungen/Cleansing nicht möglich. Es kursieren eine Menge an MEthoden zur Entsorgung von THC aus dem Körper, aber die meisten dieser Methoden sind eher Legenden als Tatsachen. 

Es gibt allerdings Wege, den Metabolismus zu erhöhen und damit den Abbau von THC zu beschleunigen. 

  • “Cleansing”: Dabei wird sehr viel Wasser getrunken und oft uriniert bevor man einen Urindrogentest macht. Danach empfiehlt sich die Einnahme von Vitamin B12 für eine natürliche Färbung des Urins. Durch eine große Menge Wasser wird die Menge THC im Körper “gestreckt” und schlägt daher in der Konzentration nicht so stark aus. Ein “Verstecken” von THC im Körper ist allerdings nicht möglich. Ähnliches gilt für Cleansing-Tees: diese werden unter dem Versprechen verkauft, THC aus dem Körper abzuführen und zu neutralisieren. Dies ist allerdings ein Mythos, da der Detox-Prozess bis zu 14 Tage dauern kann, laut Verpackungsanleitung. In dieser Zeit hat der Körper das vorhandene THC nämlich schon von alleine abgebaut.  
  • Gesunde Ernährung: Salz, Zucker und Fett in diversen Speisen sorgen für eine Verlangsamung des Metabolismus und damit des THC-Abbaus. Durch eine Einschränkung beim Essen und eine Umstellung auf gesunde Ernährung kann der Körper schneller und effizienter mit dem Abbau von THC umgehen. 
  • Ein effektiver Weg um den Metabolismus zu beschleunigen, ist Bewegung und Sport. Dadurch werden Fettzellen geöffnet und THC tritt wieder ins Blut ein und kann verstoffwechselt und letztendlich ausgeschieden werden. 
Bewegung zur Ankurbelung des Metabolismus verhilft zu schnellerem THC-Abbau
Bewegung zur Ankurbelung des Metabolismus verhilft zu schnellerem THC-Abbau

Zusammenfassung

Abschließend kann gesagt werden, dass der Abbau von THC im Körper und somit auch die Nachweisbarkeit durch (Drogen)tests stark vom Konsumverhalten und Lebensstil (Sport, gesunde Ernährung) abhängig ist. 

Die Art der Einnahme ist ausschlaggebend für die Aufnahmemenge des THC in den Kreislauf. Da der Verdauungstrakt der Leber vorgeschalten ist, wenn es um die Blutzirkulation geht, geht bei oraler Einnahme mehr THC verloren als beim Rauchen. Das THC bei oraler Einnahme verbleibt allerdings länger im Organismus und führt somit zu einem länger anhaltenden “High”-Gefühl. 

Drogentests zu überlisten ist so gut wie unmöglich, zu gefinkelt und ausgeklügelt sind die Untersuchungen. Allerdings sind diese Tests auch nicht unfehlbar und schlagen nicht zu 100% an. Der beste Weg um nicht positiv auf THC getestet zu werden und somit schwerwiegende rechtliche Folgen nach sich zu ziehen, ist auf jeden Fall Enthaltsamkeit. 

Quellenangabe:

Exercise increases plasma THC concentrations in regular cannabis users. Wong A1, Montebello ME, Norberg MM, Rooney K, Lintzeris N, Bruno R, Booth J, Arnold JC, McGregor IS. The Discipline of Pharmacology, The University of Sydney, NSW 2006, Australia. (Drug Alcohol Depend. 2013 Dec 1;133(2):763-7. doi: 10.1016/j.drugalcdep.2013.07.031. Epub 2013 Aug 11.)

Beth M. Anderson, Matthew Rizzo, Robert I. Block, Godfrey D. Pearlson & Daniel S. O’Leary (2010) Sex, Drugs, and Cognition: Effects of Marijuana, Journal of Psychoactive Drugs, 42:4, 413-424, DOI: 10.1080/02791072.2010.10400704

Urinary Cannabinoid Disposition in Occasional and Frequent Smokers: Is THC-Glucuronide in Sequential Urine Samples a Marker of Recent Use in Frequent Smokers? Nathalie A. Desrosiers, Dayong Lee, Marta Concheiro-Guisan, Karl B. Scheidweiler, David A. Gorelick, Marilyn A. Huestis. Clinical Chemistry Feb 2014, 60 (2) 361-372; DOI: 10.1373/clinchem.2013.214106

Comparison of cannabinoids in hair with self‐reported cannabis consumption in heavy, light and non‐cannabis users. Michelle Taylor, Rosie Lees, Graeme Henderson, Anne Lingford‐Hughes, John Macleod, John Sullivan, Matthew Hickman

Drug Alcohol Rev. 2017 Mar; 36(2): 220–226. Published online 2016 Jun 14. doi: 10.1111/dar.12412

https://ascpt.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1038/clpt.1980.181

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