Hanfmilch – was kann die vegane Alternative im Vergleich?

Michael Saurug
16. Dezember 2019

Alternative Formen von Milchprodukten sind derzeit sehr gefragt. Besonder vegane und nachhaltige Alternativen zu Kuhmilchprodukten sind am Boomen. Der Grund dafür liegt in der nachhaltigen und schonenden Anbauweise, bei der keine Tiere zu schaden kommen und in der höheren Wirtschaftlichkeit – Tiere brauchen Unmengen an Wasser, Futter (auch wieder Pflanzen, die angebaut werden müssen) und Energien. Dazu kommt noch, dass Milchprodukte von Tieren für den menschlichen Körper schwer zu verarbeiten sind und allerhand Unverträglichkeiten hervorrufen können. 

Hanfmilch besser als Kuhmilch?
Hanfmilch besser als Kuhmilch?

 

Was ist Hanfmilch eigentlich und wie macht man sie?

Eine tolle, vegane und gesunde Alternative zu Milch von Tieren, stellt Hanfmilch dar. Hanfmilch besitzt einen leicht nussigen und leicht grasigen Geschmack und ist flüssiger als z.B. Mandelmilch. Sie lässt sich sehr gut mit allerhand Zutaten im Geschmack verändern (z.B. durch Zugabe von Datteln oder Honig).

Hanfmilch wird aus Hanfsamen gewonnen. Hanf kommt aus der Pflanzenfamilie der Cannabaceae, die gleiche Familie, der auch Marijuana angehört. Aus diesem Grund beinhaltet auch Hanf THC – der Unterschied liegt aber in der Menge. Marijuana hat sehr hohe Anteile des psychoaktiven Wirkstoffs (um die 15%), wohingegen Hanf THC in kaum wahrnehmbaren Dosen (bis zu 0,5%) enthält. Hanf und Hanfprodukte sind daher sowohl psychoaktiv unbedenklich als auch gesetzlich unproblematisch.

Hanfmilch, die man im Geschäft kauft, enthält manchmal Spuren von THC, doch auch im fertigen Produkt ist die Menge unbedenklich. Außerdem werden Hanfmilch sehr oft Verdickungsmittel beigegeben und Zucker. Darauf sollte man beim Kauf achten! Außerdem werden noch Nährstoffe und Mineralstoffe beigemengt, die aber durchaus Sinn machen, wie etwa Kalzium, Phospor, Vitamin A, D und B12.

Hanfmilch wird aus Samen der Hanfpflanze gewonnen
Hanfmilch wird aus Samen der Hanfpflanze gewonnen

 

Welche Vorteile besitzt Hanfmilch?

Die Vorteile von Hanfmilch sind neben der nachhaltigen Herstellung vielfältig:

  • Wenig (gesättigte) Fettsäuren und kein Cholesterol
  • Viele ungesättigte Fettsäuren, die wichtig für Herzgesundheit und Hirnfunktion sind. Außerdem halten sie Blutgefäße und geschmeidig und intakt. Ein Glas Hanfmilch deckt bereits einen halben Tagesbedarf an ungesättigten Fettsäuren (Omega 3)!
  • Hanfmilch und Hanfsamen haben einen leicht nussigen und nicht aufdringlichen Geschmack und sind sehr bekömmlich.
  • Hanf wird sehr nachhaltig angebaut – er braucht sehr wenig Wasser, bindet enorme Mengen an CO2 und benötigt so gut wie keine Düngemittel und Spritzmittel. Daher sind auch die Produkte aus Hanf und Hanfsamen frei von Giften jeglicher Art!
  • Hanfmilch ist Allergen-frei
  • Die Wirkstoffe werden durch Erhitzen nicht zerstört.

Der einzige Nachteil, den Hanfmilch mit sich bringt, ist der relativ niedrige Anteil an Proteinen. 250ml Hanfmilch enthalten “nur” 4,7g Protein. Dagegen hat Kuhmilch (250ml) 8,25% Protein.

 

Hanfmilch ist der Herzgesundheit zuträglich

Die Wirkstoffe in Hanfsamen und somit Hanfmilch sind der Gesundheit von Herz und Blutgefäßen sehr zuträglich. Hanf ist reich an Aminosäuren, unter anderem Arginin, das der Körper benötigt um Stickstoffoxid herzustellen. Stickstoffoxid wiederum ist essenziell, wenn es um flexible und stabile Blutgefäße geht. In weiterer Folge verhilft es dem Körper und Kreislauf zu einem optimalen Blutdruck.

Ausreichend hohe Arginin-Level im Körper sorgen auch für weniger Entzündungserscheinungen  im Körper, die mit Herzkrankheiten auch in Verbindung stehen. Studien zufolge, sind Personen mit ausreichend hohen Arginin-Leveln, die durch dedizierte Zufuhr über die Nahrung erreicht wurden, um 30% weniger gefährdet wenn es um eine Gefährdung durch Herzkrankheiten geht.

Hanfmilch stellt eine Quelle für Arginin dar, das durch Verzehr aufgenommen werden kann und könnte deshalb eine wirksame Nahrungsergänzung für ein gesundes Herz und Gefäße darstellen.

Hanfmilch für ein gesundes Herz
Hanfmilch für ein gesundes Herz

 

Hanfmilch ist eine Quelle für alle essenziellen Aminosäuren

Hanfprodukte, speziell Hanfsamen und somit auch Hanfmilch stellen eine der wenigen pflanzlichen Quellen für “vollständige” Proteine dar. Damit sind Proteine gemeint, die alle neun essenziellen Aminosäuren beinhalten. Der menschliche Körper ist auf diese Proteinsäuren angewiesen und muss sie über die Nahrung aufnehmen – er kann sie nicht selbst aus anderen Stoffen synthetisieren! Daher das “essenziell” im Namen.

Hanf als Proteinquelle ist insofern wichtig, als dass er eine der der wenigen pflanzlichen Alternativen zu tierischen Proteinquellen darstellt. Die meisten tierischen Proteine sind “vollständige” Proteine, aber nur die wenigsten pflanzlichen sind das. Dies ist besonders für Vegetarier und Veganer von großer Bedeutung, da tierische Proteine für sie nicht in Frage kommen, der Körper aber sehr wohl für einen Gewebeaufbau darauf angewiesen ist!

Andere pflanzliche Quellen für vollständige Proteine sind Quinoa und Chia Samen.

 

Omega 3 Fettsäuren in Hanfmilch

Omega 3 Fettsäuren gehören zu den gesunden Fettsäuren, welche man sonst noch aus z.B. fettigen Fischen (z.B. Lachs) bekommt. Sie zählen zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Der Tagesbedarf an Omega 3 Fettsäuren kann durch ein Glas Hanfmilch bereits zu einem großen Teil gedeckt werden. Omega 3 Fettsäuren reduzieren Triglyceride, eine Fettart, die im Blut vorkommt und bei zu hoher Konzentration, die Gefahr für einen Herzinfarkt massiv erhöht. Omega 3 Fettsäuren sorgen für einen gesunden Blutdruck und verhindern ein Verkalken der Arterien. Darüberhinaus wirken sie entzündungshemmend, was sich auf eine ganze Reihe weiterer Krankheitsbilder positiv auswirkt.

Fetter Fisch als Quelle für Omega 3 Fettsäuren
Fetter Fisch als Quelle für Omega 3 Fettsäuren

 

 

Omega 6 Fettsäuren in Hanfmilch

Omega 6 Fettsäuren sind auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die man vornehmlich in Nüssen, Samen und Pflanzenölen findet. Sie sorgen für niedrige Cholesterolwerte (LDL) und erhöhen die protektiven HDL-Werte.  Außerdem sorgen Omega 6 Fettsäuren für geregelte Blutzuckerwerte.

Omega 6 Fettsäuren sind für die Energieversorgung des Körpers wichtig, für starke Knochen und gesunde Haut. Es gibt außerdem (schwache) Hinweise darauf, dass eine erhöhte Zufuhr an Omega 6 Fettsäuren hilfreich gegen koronare Herzerkrankungen ist.

Pflanzenöl als Omega 6 Fettsäurenquelle
Pflanzenöl als Omega 6 Fettsäurenquelle

 

Hanfmilch ist einem gesunden Hautbild zuträglich

Hanf beinhaltet Omega 6 und Omega 3 Fettsäuren in einem optimalen Verhältnis. Dieses liegt zwischen 2:1 und 3:1. 

Dieses Verhältnis und eine regelmäßige Zufuhr an Omega 6 und 3 Fettsäuren ist enorm wichtig gegen Entzündungserscheinungen der Haut, für die natürliche Barriere der Haut gegen schädliche Einflüsse von außen und Hautalterung. 

Eine Studie aus dem Jahr 2005 hat herausgefunden, dass bereits 30ml Hanföl (dieselben Wirkstoffe wie in Hanfmilch) pro Tag Hauttrockenheit und Irritationen massiv reduzieren können. 

Eine andere Studie belegt, dass die in Hanföl und somit -milch enthaltenen ungesättigten Fettsäuren, die Haut weniger zum Austrocknen und dünn-werden-lassen veranlassen, als bei Menschen, die weniger davon über die Nahrung zu sich nehmen. 

 

Macht Hanfmilch high?

Nein. Hanfsamen und somit Milch enthalten zwar THC, den psychoaktiven Wirkstoff der Cannabispflanze, aber in derart geringen Mengen, dass keine Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung entstehen kann. 

 

Hanfmilch selbstgemacht?

Hanfmilch ist in der Herstellung relativ einfach und deshalb, auch aufgrund der hohen Preise, attraktiv für die Eigenproduktion. 

Der mögliche Nachteil beim Herstellen der Hanfmilch ist der möglicherweise geringere Nährstoffanteil – fertig abgepackte Hanfmilch wird ja in den meisten Fällen mit zusätzlichen Nährstoffen versetzt!

Um Hanfmilch selber herzustellen, braucht man eigentlich nur Hanfsamen (150g) und Wasser (500ml) und einen Mixer. Die Hanfsamen mit Wasser ordentlich durchmixen, bis eine glatte Flüssigkeit entsteht. Man kann zur Geschmacksoptimierung gerne Honig, Zucker, Vanille etc. beimengen. Nur von Zitrusfrüchten sollte man Abstand nehmen, da sie die Wirkstoffe (Cannabinoide) negativ beeinflussen können!). 

Am Schluss wird die Mixtur durch ein sauberes Geschirrtuch filtriert. Die fertige Milch ist bis zu 5 Tage gekühlt haltbar. 

 

 

Quellenangabe: 

Hanfsamen und Herzgesundheit: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2868018/

Herzgesundheit durch höhere Arginin-Level: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15723738

Omega 6 gegen koronare Herzerkrankungen: https://www.cochrane.org/de/CD011094/omega-6-fettsauren-fur-die-pravention-und-behandlung-von-herz-kreislauf-erkrankungen

Hanföl gegen Hauttrockenheit: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16019622

Hanföl gegen dünne Haut: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17921406

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on linkedin
Michael Saurug

Michael Saurug

Twitter Facebook Nach oben scrollen