Der Entourage Effekt – CBD-Wirkungsbooster?

Michael Saurug
16. Dezember 2019

Cannabisprodukte haben alle möglichen Wirkungen auf den menschlichen Organismus, das ist bekannt und wissenschaftlich erwiesen. Jeder der schon einmal THC und CBD konsumiert hat, wird festgestellt haben, dass die Wirkungen sehr unterschiedlich und weitreichend sein können. 

THC wirkt psychoaktiv, macht “high”, sorgt für roten Augen, lässt Libido, Appetit und Müdigkeit in die Höhe schnellen. Die Effekte von CBD sind genauso vielfältig und können bessere Schlafqualität, höhere Energielevel, Stillen von Schmerz, Verringern von Stress und Angstzuständen, Senkung von Entzündungen im Körper etc. umfassen. 

Diese unterschiedlichen Wirkungen werden nun (fälschlicherweise) oft den unterschiedlichen Pflanzenarten der Familie der Cannabaceae zugeschrieben. Wie kann es sein, dass CBD Produkte nun auch auf die Psyche wirken, obwohl der psychoaktive Wirkstoff THC nur in geringstem Maße (0,02% max.) enthalten ist? 

Die Antwort lautet: Entourage Effekt!

Der Entourage Effekt ist die Wirkung der Kombination verschiedener Wirkstoffe der Cannabispflanze. Er führt dazu, dass sich die Einzelwirkungen der einzelnen Stoffe stärker ausprägen oder verändern können. So kann es sein, dass Cannabisprodukte, deren Einzelwirkstoffe großteils nicht psychoaktiv wirken, gemeinsam tatsächlich einen psychoaktiven Effekt hervorrufen und auf die Sinneswahrnehmung einwirken können. 

Dieser Effekt kann auch bei vielen anderen Wirkstoffen im Pflanzenreich beobachtet werden. Dabei interagieren die verschiedensten Pflanzenmoleküle auf die unterschiedlichsten Arten miteinander und erzeugen die unterschiedlichsten Effekte. 

 

Der bekannteste Entourage Effekt – CBD und THC

THC und CBD sind die zwei prominentesten Wirkstoffe der Cannabispflanzen. Nicht weiter verwunderlich ist daher, dass die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Stoffen am prominentesten ist. 

Der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol oder einfach THC sorgt für das typische High-Gefühl, indem es direkt an die CB1 Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems andocken kann. CBD oder Cannabidiol, der legale Pflanzenwirkstoff, hat keine psychoaktiven Eigenschaften aber diverse andere Vorteile, und dockt nicht an die CB1 Rezeptoren an. 

High Gefühl nach Marihuana Konsum
High Gefühl nach Marihuana Konsum

Durch die Zufuhr beider Wirkstoff in den Organismus bzw. in das körpereigene Endocannabinoid-System passiert folgendes: Das CBD verringert das Andocken der THC-Moleküle an die CB1 Rezeptoren drastisch. Die weitere Folge davon ist, dass man sich weniger berauscht fühlt aber dennoch einen bewusstseinserweiternden Zustand erlebt. 

Doch das ist nicht das einzig interessante am Entourage Effekt. Dadurch dass in der Cannabispflanze ausser CBD und THC noch viele andere Wirkstoffe enthalten sind, wird durch das Zusammenwirken all dieser, der Effekt noch viel stärker, intensiver und vielfältiger!

 

ABER der Entourage Effekt bezieht sich auf mehr als CBD und THC!

Beim Kauf von CBD Öl ist man sicher schon einmal auf den Begriff Full-Spectrum gestoßen, oder? Dieses Full-Spectrum bedeutet nichts anderes als dass sämtliche Wirkstoffe, die enthalten sein können, auch tatsächlich im Öl vorhanden sind. Somit wirkt hier der maximal mögliche Entourage Effekt. Jeder Wirkstoff beeinflusst jeden anderen Wirkstoff und der therapeutische Gesamtnutzen wird dadurch maximiert. 

Das ist auch der Grund warum Full-Spectrum CBD Produkten ein viel größerer Nutzen/Effekt zugeschrieben wird als Produkten die “nur” Wide-Spectrum oder gar nur “reines” CBD bieten. 

Der Geruchs- und Geschmacksstoff der Cannabispflanzen wird durch die sogenannten Terpene verursacht. Das sind Aromastoffe und besitzen auch medizinische und therapeutische Effekte. Dieselben Terpene, die wir in Cannabis finden, kommen auch in schwarzem Pfeffer und Hopfen vor. Auch in Cannabis haben diese Aromastoffe dieselben Eigenschaften wie in Peffer und Hopfen: sie wirken antibakteriell und entzündungshemmend. 

Eine der stärksten Wechselwirkungen des Entourage Effekts passiert zwischen Terpenen (Geruchs- und Geschmacksstoffe) und Cannabinoiden (wie etwa CBD oder THC). 

Die phytochemischen Wirkstoffe in Marihuana (Indica) führen zu einem betäubenden und berauschenden Körpergefühl. Sinneswahrnehmung wird hierbei eingeschränkt und die Glieder werden schwer. Cannabissorten des Stammes Sativa hingegen bewirken dank des Entourage Effekts etwas völlig anderes: dadurch fühlt man sich energiegeladen und erlebt ein kreatives Hochgefühl. 

Der Entourage Effekt als Zusammenspiel sämtlicher Wirkstoffe der Cannabispflanze
Der Entourage Effekt als Zusammenspiel sämtlicher Wirkstoffe der Cannabispflanze

 

Wie profitiert man bei CBD vom Entourage Effekt?

Wenn man nun den CBD Markt betrachtet mit seiner Fülle an Produkten, fällt auf, dass sich diese Produkte neben ihrer Stärke (3%, 5%, 10% etc.) auch im Umfang ihrer Wirkstoffe unterscheiden. Man spricht hier vom oben bereits erwähnten Spektrum, Englisch Spectrum. 

Full-Spectrum Produkte enthalten alle Cannabinoide, die in Cannabis enthalten sind, aber auch das psychoaktive THC und darüber hinaus Terpene, die Aromastoffe. 

Broad-Spectrum Produkte enthalten in der Regel nicht alle Cannabinoide, Terpene und  weniger THC. 

Und dann gibt es noch Isolate, bei denen, wie der Name schon vermuten lässt, ein Cannabinoid, das CBD, isoliert worden ist. Isolate haben das höchste Wirkstoff-zu-Gewicht-Verhältnis, ABER dabei fällt leider auch der Entourage Effekt weg, da es ja nur eine Komponente gibt. 

Es ist tatsächlich auch erwiesen, dass Isolat am wenigsten effektiv ist in seiner umfassenden therapeutischen Wirkung im Vergleich zu Full-Spectrum CBD. Reines CBD zu kaufen, um so vom Wirkstoff alleine bestmöglich zu profitieren, ist daher ein Irrglaube – die Mischung mit anderen Wirkstoffen macht den Effekt aus!

In der Medizin ist generell eine Trendwende zu beobachten, bei der Leute weggehen von der klassischen Schulmedizin hin zur alternativen ganzheitlichen Naturmedizin. Gerade klassische Medikamente sind als Isolate zu verstehen, die einen oder wenige Effekte bewirken sollen – umfassender in ihrer Wirkung sind da oft pflanzliche Arzneistoffe, die durch den Entourage Effekt ein breiteres Spektrum an Effekten abdecken können.

 

Zusammenfassung

Ja, der Entourage Effekt stellt tatsächlich einen Wirkungsbooster für Cannabisprodukte dar! Der therapeutische Effekt von CBD wird erhöht und ausgeweitet und die lähmende, berauschende Wirkung von THC wird abgeändert in ein bewusstseinserweiterndes Hochgefühl. 

Der Entourage Effekt lässt CBD Produkte in all ihrem Potential wirken und macht diese damit in vielen Fällen zu einer effektiven Ergänzungsbehandlung bei Beschwerden verschiedenster Arten. 

 

 

Quellenagabe:

Russo, Ethan B.The Case for the Entourage Effect and Conventional Breeding of Clinical Cannabis: No “Strain,” No Gain. 2019

Hillig K. W., Mahlberg P. G. (2004). A chemotaxonomic analysis of cannabinoid variation in Cannabis (Cannabaceae). Am. J. Bot. 91 966–975. 10.3732/ajb.91.6.966

Pamplona F. A., da Silva L. R., Coan A. C. (2018). Potential clinical benefits of CBD-rich Cannabis extracts over purified CBD in treatment-resistant epilepsy: observational data meta-analysis. Front. Neurol. 9:759. 10.3389/fneur.2018.00759

Russo E. B. (2011). Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. Br. J. Pharmacol. 163 1344–1364. 10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x

Sirikantaramas S., Morimoto S., Shoyama Y., Ishikawa Y., Wada Y., Shoyama Y., et al. (2004). The gene controlling marijuana psychoactivity: molecular cloning and heterologous expression of Delta1-tetrahydrocannabinolic acid synthase from Cannabis sativa L. J. Biol. Chem. 279 39767–39774. 10.1074/jbc.M403693200

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