CBD Öl gegen Schmerzen – Wunderwaffe oder Irrglaube?

Michael Saurug
16. Dezember 2019

CBD Öl werden wunderbare Eigenschaften nachgesagt. Diese klingen schon fast zu gut um wahr zu sein. Cannabidiol, einer der vielen biochemisch aktiven Wirkstoffe, steht unter anderem im Verdacht Krebszellen am Wachstum zu hindern bzw. abzutöten, Stress zu reduzieren und Stimmung aufzuhellen und noch vieles mehr. Eine der Haupteigenschaft von CBD Öl und der Grund warum es laut einer Studie 62% der Leute konsumieren, soll die Linderung von (chronischen) Schmerzen sein. 

Was ist nun dran an dem Ruf, dass CBD Öl schmerzstillend und entzündungshemmend wirkt? Definitive wissenschaftliche Ergebnisse gibt es noch sehr wenig. Dafür ist die Materie zu jung und unerforscht. ABER Erkenntnisse und Erfahrungswerte, die bisher gemacht worden sind, lassen auf Großes hoffen. Die Medizinforschung steht möglicherweise vor der Entdeckung einer neuen Wunderwaffe. 

Die Schmerzbekämpfung durch medizinisches Marihuana, eine Pflanzensorte aus der Cannabisfamilie ist bekannt dafür, schon seit tausenden Jahren zur Schmerzlinderung eingesetzt worden zu sein. Und das sogar sicher und ohne größere Nebenwirkungen – das kann nicht von jedem klassischen Schmerzmittel behauptet werden. 

Da drängt sich einem aber die Frage auf: Sicher vielleicht, aber wurde es auch effektiv angewendet? 

 

Was ist eigentlich Schmerz? 

Um die Frage zu klären, ob Cannabidiol in der Schmerztherapie Sinn macht, ist es zuerst wichtig zu klären, für welche Ursachen man es überhaupt verwenden sollte. CBD wird besonders gern von Leuten genommen, die von Arthritis und chronischen Rückenschmerzen betroffen sind. Macht das überhaupt Sinn? 

Laut einer Studie des Institute of Medicine of The National Academies leben über 100 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten mit chronischen Schmerzen. Das bedeutet nicht nur einen drastische Senkung der Lebensqualität, sondern auch viel höhere Kosten für das Gesundheitssystem und einen Rückgang der Produktivität bei der Arbeit. 

Weit verbreitete Arten von chronischen Schmerzen umfassen unter anderem: 

  • Schmerzen durch Krebs
  • Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus) 
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Migräne
  • Multiple Sklerose 
  • Arthritis
  • Nervenschmerzen

Klassische Schmerzmittel sind für diese Schmerzarten weit verbreitet. Viele Menschen sind sich aber bewusst, dass starke Medikamente auch nicht unwesentliche Nebenwirkungen haben und sogar abhängig machen können. 

Nicht weiter verwunderlich zeichnet sich daher ein deutlicher Trend hin zu alternativen Heilmitteln und Naturheilmitteln ab. Nahrungsergänzungsmittel, Heilkräuter und Naturheilprodukte, wie auch CBD, werden immer populärer. 

Schmerzen lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen. Die erste ist Neuralgischer Schmerz. Das sind Schmerzen, die durch Verletzung oder Entzündung der Nerven hervorgerufen werden. Zum Beispiel das Karpaltunnelsyndrom oder Tennisellenbogen. 

Die zweite Kategorie umfasst Nozizeptorenschmerzen. Diese können akute Schmerzen, verursacht durch Verletzungen des Körpers, sein, wie etwa Knochenbrüche oder auch Arthritis. 

Die dritte Schmerzart ist zentraler Schmerz, der wissenschaftlich nicht eindeutig definierbar ist, aufgrund fehlender eindeutiger Lokalisierbarkeit. Er umfasst Fibromyalgie und andere chronische Schmerzen, die sich gegenseitig überlagern. 

Die Aufzählung dieser Arten von Schmerzen lässt erkennen, dass Schmerzen sehr unterschiedlich ausfallen können. Folglich reagieren nicht alle Schmerzmittel gleich auf unterschiedliche Schmerzarten. Dasselbe dürfte auch für den Einsatz von CBD in der Schmerztherapie gelten. 

 

Mögliche Wirkung und Vorteile von CBD bei Arthritis Schmerzen der Gelenke

Das körpereigene Endocannabinoid-System beeinflusst unter anderem unsere Schmerzwahrnehmung. CBD und andere Cannabinoide können Einfluss auf dieses System nehmen und somit die Wahrnehmung von Schmerzen verändern. 

Einer Studie aus dem European Journal of Pain zufolge, hat äußerlich angewendetes CBD Gel bei Ratten mit Arthritis zu einem signifikanten Rückgang der Schwellung der Gelenke und zu einer Verringerung des Schmerzempfindens und der Entzündungswerte geführt. 

Diese Experimente wurden mit Gels mit unterschiedlichen CBD Gehalten (0.6, 3.1, 6.2 und 62.3 Milligramm pro Tag) durchgeführt. Gels mit 0.6 und 3.1 mg zeigten keine signifikante Wirkung wohingegen Gels mit 6.2 und 62.3 mg einen eindeutigen Rückgang der Schwellung sowie der Schmerzempfindlichkeit der Gelenke bewirkten. Da die Anwendung der 62.3 mg-Gels in ihrer Wirkung sich nicht wirklich von den 6.2 mg-Gels unterschieden, kann man annehmen, dass eine höhere Dosierung ab dem Punkt wo der gewünschte Effekt erreicht wird, nicht notwendig ist. 

Die Vermutung liegt daher nahe, dass CBD Gel als Entzündungshemmer und Mittel gegen Schmerzen bei Arthritis auch bei Menschen eingesetzt werden kann. Dennoch bedarf es noch umfassender Studien um dies zu bestätigen.  

 

Mögliche Wirkung und Vorteile von CBD Öl bei Hauterkrankungen

Einer anderen Studie (Pediatric Dermatology) nach hat CBD Öl bei äußerlicher Anwendung zu einer schnelleren Wundheilung und Verbesserung der Schmerzen bei Kindern mit Epidermolysis bullosa (Schmetterlingskrankheit), einer genetisch bedingten Hauterkrankung, geführt. 

Durch den Anti-Entzündungseffekt von CBD, sollen CBD-haltige Produkte auch positiv bei Akne wirken. Sie sollen das Auftreten Akne verhindern und Hautrötungen verringern. Kürzliche Erkenntnisse zeigen auch, dass CBD imstande ist, die Talgproduktion der Hautdrüsen zu regulieren. Diese Drüsen, bzw. die Überproduktion von Talg ist mit ein Grund für die Entstehung von Akne und Pickel. 

Frau mit Akne
CBD – Hilfreich zur Bekämpfung von Hautentzündungen und Akne

Darüber hinaus besitzt CBD Öl antioxidative Eigenschaften, die es interessant als Anti-Aging Hautpflege machen. Anti-oxidative Produkte helfen den Schaden freier Radikale zu verhindern und in weiterer Folge die Bildung von Falten. 

Insgesamt kann gesagt werden, dass CBD Öl auf die Haut ähnliche Wirkungen ausüben kann wie auf das körpereigene Cannabinoid-System, nämlich normalisierende und das Gleichgewicht wieder herstellende. 

 

Mögliche Wirkungen und Vorteile von CBD Öl bei chronischen Kopfschmerzen und Migräne

Migräne kann mehr sein als stress- und allergiebedingt. Sie kann aber auch chronisch, also täglich auftreten. Dabei entstehen teils heftige Kopfschmerzen, die es den Betroffenen oft unmöglich machen, ihren normalen Tagesablauf fortzusetzen. Diese Schmerzen können von 3 bis 72 Stunden lang anhalten. 

Medikamente zur Behandlung der Symptome sind sehr gebräuchlich. 

Viele Leute wenden sich aber ab von der klassischen Medizin und Medikamenten mit teils starken Nebenwirkungen. Daher suchen Viele nach alternativen Heilmitteln bzw. Schmerzmitteln. 

CBD als Wunderwaffe gegen Migräne und Kopfschmerzen – das klingt sehr vielversprechend. Allerdings kann dies aufgrund zu geringer wissenschaftlicher Erforschung (noch) nicht zu 100% bestätigt werden. 

Kopfschmerzen - Mann greift sich an den Kopf
Chronische Kopfschmerzen – ein klassischer Fall, bei dem CBD sehr hilfreich sein kann

Was allerdings mit Sicherheit behauptet wird, ist, dass CBD krampflösende, schmerzlindernde, übelkeitslindernde und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Im Zusammenspiel mit anderen Cannabinoiden, so ist sich die Wissenschaft einig, soll es durchaus das Potential dazu haben, bei Migräne kurzfristig und prophylaktisch als Mittel gegen deren Symptome zu agieren. 

 

Mögliche Wirkungen und Vorteile von CBD Öl bei Schmerzen bei der Therapie von Krebs

Erkenntnisse aus der Krebsforschung zeigen, dass CBD zum Schrumpfen von Tumoren bei Mäusen führen kann. Diese Behauptung kann für den Menschen noch nicht aufgestellt werden. Dennoch wird vermutet, dass CBD eine gewichtige Rolle in der Schmerzkontrolle bei Krebs und der Krebstherapie spielt. Zahlreiche Krebspatienten konsumieren CBD und Cannabisprodukte zu diesem Zweck. 

CBD kann nachweislich das Wachstum gewisser Krebszellen hemmen. Dies wurde unter anderem in Labor- als auch Tierstudien festgestellt.  Darüber hinaus könnte CBD die Symptome der Auswirkungen von Chemotherapien lindern und als komplementäre Maßnahme dazu eingesetzt werden. Selbstverständlich ersetzt die Einnahme von CBD keine Therapie oder auf den Patienten angepasste Behandlung. 

CBD im Zusammenspiel mit anderen Cannabinoiden kann das Wohlbefinden der Betroffenen insgesamt steigern sowie Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit entgegen wirken. 

Wenig Schlaf und Gewichtsverlust durch fehlenden Appetit sind mitunter Gründe für den Gewichtsverlust bei Krebspatienten. Diese Umstände könnten durch CBD Öl und andere Produkte verbessert werden. 

 

Mögliche Nebenwirkungen von CBD Öl in der Schmerztherapie

Auch was Nebenwirkungen betrifft, ist die wissenschaftliche Beweislage eher dünn. Man spricht hierbei auch hauptsächlich von Erfahrungswerten als von Ergebnissen. Dennoch sind die Erkenntnisse und Erfahrungen als sehr positiv zu erachten. 

Nebeneffekte, die unter Umständen eintreten können, beinhalten Mundtrockenheit, Benommenheit, niedriger Blutdruck und Schwindelgefühle. Es soll in der Vergangenheit auch wenige Fälle von Leberschäden gegeben haben, die jedoch nicht ausreichend dokumentiert worden sind. 

Außerdem soll es in der Vergangenheit Anlass zu der Vermutung gegeben haben, dass hohe Dosen CBD Muskelbewegungen und das Zittern von Parkinson-Patienten verschlechtert haben soll. 

 

Zusammenfassung

Eine wichtige Erkenntnis aus Studien, die sich mit der Wirkungsweise von CBD bei der Schmerztherapie befassen, ist, dass CBD sehr oft im Zusammenspiel mit THC verabreicht wird. Die Wissenschaft vermutet, dass der Entourage Effekt eine stärkere Wirkung der Cannabinoide herbeiführt. CBD lässt darüber hinaus prinzipiell eine höhere Dosierung von THC zu, ohne “high” zu machen. Somit kann man von beiden Wirkstoffen profitieren und gleichzeitig die gegenseitige Verstärkung beider nutzen. 

Somit kann geschlussfolgert werden, dass CBD Produkte, die das “volle Spektrum” an Cannabinoiden, also auch (legale) Anteile an THC beinhalten, am sinnvollsten sein können, wenn es um die Behandlung von Schmerzen geht. Ob CBD oder medizinische Cannabisprodukte bei allen Schmerzarten einsetzbar sind, werden erst umfassende medizinische Untersuchungen zeigen. 

Abschließend kann gesagt werden, dass wissenschaftliche Beweise erst vorzulegen sind, bevor definitive Aussagen gemacht werden können. Was allerdings schon in allen Bereichen vorliegt, sind Erfahrungswerte und -berichte. Diese sind zum Großteil sehr positiv. 

CBD scheint demnach eine sehr positive Wirkungen in der Schmerztherapie bei der Linderung diverser Symptome zu zeigen. Nebenwirkungen sollen so gut wie gar nicht auftreten (auch bei hohen Dosen) und wenn, dann nur sehr schwach merklich. 

 

 

Quellenangabe:

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U.S. Department of Justice, Drug Enforcement Administration, e-publication

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