Die Cannabispflanze – Eigenschaften, Nutzen und Lebenszyklus

Michael Saurug
16. Dezember 2019

Die Cannabispflanze ist ein Wunderwerk der Natur. Sie besitzt die unterschiedlichsten organischen Wirkstoffe, die in vielen Bereichen der Medizin Anwendung finden aber auch die Pflanze selbst hat wegen ihrer enorm starken Fasern schon seit vielen hundert Jahren gute Dienste zum Beispiel in der Herstellung von Seilen verrichtet. 

Leider genießt die Cannabispflanze einen eher zweifelhaften Ruf und ihr Erscheinungsbild lässt oftmals die Alarmglocken schrillen. Zu Unrecht in vielen Fällen! Denn Cannabis ist nicht gleich Cannabis! Welche Unterschiede es gibt und wie vielfältig ihre Einsatzbereiche sind, erfährst du hier. 

 

Welche Arten von Cannabispflanzen gibt es? 

Es gibt tatsächlich nicht nur eine oder DIE Cannabispflanze. Cannabis ist der Name einer Pflanzenfamilie, die sich wiederum in einzelne Spezies aufspaltet. Die zwei wohl bekanntesten Spezies sind Cannabis Sativa und Cannabis Indica

Was ist nun Hanf und was ist Marihuana? Was ist legal, was illegal? 

Cannabis Sativa wird bis zu 3 Meter hoch!
Cannabis Sativa wird bis zu 3 Meter hoch!

Je nach Land und Gesetzesauslegung existieren Unterschiede bei der Legalität der Cannabispflanzen. In den allermeisten Fällen ist jedoch der Besitz und Anbau von Samen und THC-freien Blättern der Cannabis Sativa erlaubt. 

Es gibt einen offiziellen Saatgutkatalog, der Samen und Pflanzen, die der landwirtschaftlichen Nutzung dienen, enthält. Samen, die darin nicht aufgeführt werden, gelten als illegal. Genauso illegal ist der Besitz und die Aufzucht von Cannabispflanzen mit hohem THC-Gehalt und dem Vorsatz des Konsums des Cannabisharzes. 

Die Spezies Cannabis Sativa wächst sehr hoch, manchmal bis zu 3 Meter hoch. Die Blätter sind länglich und schmal. Sativa eignet sich sehr gut für Outdoor Anbau und ist sehr widerstandsfähig was die Witterungsbedingungen angeht. Cannabis Sativa hat eine lange Wachstumsphase, die 6 Monate dauern kann. Ab dem Zeitpunkt an dem die Blütenbildung passiert, dauert es bis zu 12 Wochen, bis die Blüten geerntet werden können. Sativa enthalten einen hohen THC-Anteil und sind daher oftmals illegal. 

Cannabis Indica hat ein anderes Erscheinungsbild. Sie ist relativ kurz und buschig. Die Blütezeit ist kürzer als bei Sativa und dauert ca. 8 Wochen. Sie eignet sich sehr gut für Indoor Anbau und hat mehrere Blütezyklen pro Jahr. Indica enthält einen niedrigen THC Anteil und hohen CBD Anteil. 

Durch die Kreuzung der verschiedenen Spezies, besonders der zwei Haupttypen sind Hybridpflanzen entstanden, welche die Eigenschaften der Pflanzen vereinen. 

 

Der Lebenszyklus der Cannabispflanze

Jede Cannabisspezies hat einen etwas anderen Lebenszyklus, daher variieren die nachfolgenden Zeitangaben. Generell gilt aber der folgende zeitliche Ablauf des Wachstums: 

Keimlinge

  • Keimphase (1-2 Wochen)

Samen, die bereit sind, eingepflanzt zu werden und bald keimen wollen, sind dunkelbraun, trocken und hart. Man kann die Keimung einleiten, indem man die Samen in eine nasses Papiertuch einwickelt. 

  • Setzlingsphase (2-3 Wochen)

Die keimenden Samen müssen in ein Wachstumsmedium transferiert werden. Die jungen Pflanzen brauchen sehr viel Licht und die richtige Menge Wasser. 

  • Vegetative Phase (2-8 Wochen) 

Die Pflanzen brauchen einen trockenen warmen Luftstrom, Nährstoffe im Boden (besonders Stickstoff) und frisches warmes Wasser. Trennt man in dieser Wachstumsphase männliche und weibliche Pflanzen voneinander, kommt es zu einer Ausbildung von Trichomen (Drüsenhärchen) anstatt einer Bildung von Samen.  

  • Blütephase (6-8 Wochen)

Während der Blütephase kann man die Lichtintensität reduzieren um die Pflanzenwirkstoffqualitäten zu steigern. Durch die Reduktion von Stickstoff und die Erhöhung des Phosphorgehalts und die Beigabe von Düngemitteln, kann man die Blütenbildung positiv beeinflussen. 

  • Ernte

Die Blüten sind reif für die Ernte, wenn sie sich von einem milchigen Weiß in einen orangen Farbton ändern. 

 

Welche Teile der Cannabispflanze kann ich nutzen? Und wofür überhaupt?

Die Antwort darauf ist einfach: Alle! Cannabis wird nicht selten als Wunderpflanze bezeichnet – und das nicht zu Unrecht! 

Neben seinen medizinischen Einsatzgebieten (Antidepressivum, Entzündungshemmer, Schmerzmittel, etc.) und der heftig diskutierten Verwendung als Rauschmittel, hat Hanf auch diverse Einsatzgebiete in der Industrie und im Haushalt

Cannabispflanzen finden in der Bauindustrie Verwendung als Grundstoff für holzähnliche Materialien und Ziegel. Die Pflanzenfasern sind leichter und flexibler als Holz und darüber hinaus widerstandsfähiger. Aber nicht nur Baustoffe können durch pflanzliche Fasern ersetzt werden, sondern auch Plastikteile. Rohre zum Beispiel werden bereits aus sogenanntem Bioplastik gefertigt und sind damit um Welten umweltschonender. 

Einer der bekanntesten Verwendungszwecke der Cannabispflanze war oder ist noch immer die Herstellung von Seilen. Auch wurden aus der Pflanze Textilien, Papier, Lampenöl und sogar Farbe hergestellt. 

Auch in der Nahrungsmittelergänzung hat Cannabis große Erfolge gefeiert. Und zwar nicht nur als CBD Öl und CBD Produkte aller Art, sondern auch bei der Verwendung der Samen. Hanfsamen enthalten essentielle Aminosäuren, Spurenelemente wie Calcium, Magnesium, Eisen und Kalium. Außerdem enthalten sie wichtige Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren, die der Körper nicht selber herstellen kann und die daher über die Nahrung zugeführt werden müssen. 

Die vielen Einsatzgebiet von Hanf
Die vielen Einsatzgebiet von Hanf

 

Welche Pflanzen vertragen sich gut mit Cannabispflanzen?

Cannabispflanzen sind prinzipiell sehr dankbar was ihre Lebensumstände und Nachbarn angeht. Wer Cannabis zuhause, vielleicht im Garten, Hochbeet oder auch im Blumentopf am Balkon anbaut, sollte aber darauf achten, dass sie idealerweise mit Pflanzen kombiniert wird, die ähnlich Anforderungen an Licht, Wasser und Nährstoffe haben. 

Cannabis braucht sehr viel Licht und darf daher nicht im Schatten stehen oder neben Pflanzen, die ihr den Platz an der Sonne strittig machen könnten, wie etwa Tomaten oder Stangenbohnen. 

Besonders kleine buschige Pflanzen, wie etwa Kräuter sind ideale Nachbarn für Cannabispflanzen. 

Cannabis selbst ist eine sehr friedfertige Pflanze und verträgt sich mit den meisten anderen Pflanzen sehr gut. 

Besonders interessant sind Cannabispflanzen in der Mischkultur mit anderen Pflanzen. Die Vorteile sind, dass bestimmte andere Pflanzen der Cannabispflanze Nährstoffe liefern und somit zu gesteigerter Produktivität führen können. 

Zum Beispiel liefert die Kamille der Cannabispflanze Kalium und Kalzium. Diese Stoffe fördern das Wachstum des Stengels verhelfen der Cannabispflanze zu stärkerem Pflanzengewebe. Zusätzlich erhöht die Kamille, gleich wie die Schafgarbe, die Produktionen von Pflanzenölen von Pflanzen in ihrerer näheren Umgebung. Majoran und Oregano ziehen auch nützliche Insekten an und erhöhen ebenso die Ölproduktion. 

Pflanzen, welche die Cannabispflanze mit Nährstoffen versorgen, sind vor allem Klee, Borretsch, Luzerne und Sternmiere. 

Klee ist, genauso wie Borretsch, ein guter Nährstofflieferant. Der Unterschied ist, dass Borretsch sehr tief wurzelt, daher Nährstoffe von tief unten herauf befördern kann und sehr schnellwüchsig und platzraubend ist. Er kann aber genauso wie Klee als Mulchschicht verwendet werden, wenn er beschnitten wird. Bei Abbau von Biomasse von Klee und Borretsch werden die gespeicherten Nährstoffe wieder in den Boden abgegeben und stehen nun der Cannabispflanze zur Verfügung. 

Sternmiere und Luzerne können als Mulchschicht verwendet werden. Dadurch entsteht ein langzeitiges Nährstoffreservoir und eine Schutzschicht gegen Unkraut und Bodenaustrocknung. 

 

Welche Schädlinge und welche Nützlinge gibt es für Cannabispflanzen?

Cannabispflanzen können mit anderen Pflanzen Symbiosen eingehen, also gegenseitig voneinander auf verschiedene Arten profitieren. 

Lavendel zum Beispiel besitzt die Eigenschaft durch seine Geruchsstoffe Blattläuse fernzuhalten, was der Cannabispflanze natürlich zugute kommen kann. Thymian und Salbei können bei der Schneckenabwehr helfen. 

Für den Fall, dass die Cannabispflanze trotzdem an Lausbefall leidet, kann man Kaffeesatz ins Gießwasser geben – es muss nicht immer die Chemiekeule sein!

Ein Vorteil davon, die Cannabispflanze draußen zu haben, ist, dass bei Lausbefall, der natürlich Nützling Marienkäfer sie davon befreien kann. 

Weitere Pflanzen, die Schädlinge vertreiben und somit die Cannabispflanze schützen, sind Roter Fingerhut und Königskerze (zieht Insekten an, welche die weiße Fliege bekämpfen), Koriander (bekämpft Blattläusen und Spinnmilben), Knoblauch und Pfefferminze (vertreiben ebenso Blattläuse), Dill, Fenchel, Anis (ziehen Wespen an, die natürlichen Feinde vieler Schädlinge) und Basilikum (vertreibt diverse Schädlinge und Schnecken). 

 

 

Quellenangabe:

 

Cannabis sativa: The Plant of the Thousand and One Molecules. Christelle M. Andre,* Jean-Francois Hausman, and Gea Guerriero. Published online 2016 Feb 4. doi: 10.3389/fpls.2016.00019

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