CBN / Cannabinol – Wirkung und Eigenschaften des Cannabinoids

Michael Saurug
16. Dezember 2019

CBN oder Cannabigerol ist eines der vielen Cannabinoide der Cannabispflanze. Es ist bei weitem nicht so bekannt wie CBD oder THC, besitzt aber auch ganz erstaunliche Wirkungen auf das Endocannabinoidsystem und damit auf den menschlichen Körper und Geist. Die wohl interessantesten Eigenschaften, die CBN nachgesagt werden, sind die positiven Beeinflussungen von Schlaf und Stärkung und Heilung von Knochen. 

Was sind die potentiellen Vorteile von Cannabinol (CBN) auf den Organismus?

Cannabinol ist ein Cannabinoid, dass durch den Alterungsprozess seines Ausgangsstoffes THC entsteht (siehe Grafik). Da es die letzte Stufe des Umbaus der ursprünglichen Cannabigerolsäure darstellt, ist es gerade in alten Cannabispflanzen in großen Konzentrationen vorhanden. Besonders hohe Dosen CBN finden sich in alten, schlecht gelagerten und dem Licht ausgesetzten Cannabis.

Die wissenschaftliche Erkenntnislage ist auch bei Cannabinol relativ schlecht dokumentiert, was die Auswirkungen des Wirkstoffes auf den Körper angeht. Dennoch gibt es einige wissenschaftliche Untersuchungen, die CBN diverse potentielle Vorteile für die Gesundheit nachsagen. Darüber hinaus gibt es Erfahrungsberichte von CBN Konsumenten, die alten Cannabispflanzen gegenüber nicht kritisch sind und die darin enthaltenen Wirkstoffe zu schätzen wissen. 

Strukturformel von Cannabinol (CBN)
Strukturformel von Cannabinol (CBN)

Potentielle Wirkungen von Cannabinol auf den Körper

  • Krampflösung

Eine etwas ältere Studie (1970) hat bereits festgestellt, dass CBN ein wirksames Mittel gegen Krampfanfälle darstellt. Ähnlich wie THC und CBD besitzt es Eigenschaften, die Krämpfe lösen können und gegen die Symptome von Epilepsie wirksam sind. Die Reichweite der Wirkung von CBN wird aber in Verbindung mit anderen Cannabinoiden wie THC und CBD deutlich erhöht, Stichwort Entourage Effekt. 

  • Schmerzstillung 

CBN wirkt etwas unterschiedlich, verglichen mit CBD und THC. Es wird als schwacher CB1 Agonist beschrieben, was bedeutet, dass es nicht direkt an den CB1 Rezeptor bindet und daher schwächere Effekte auf das Endocannabinoidsystem ausübt. CBN besitzt nur rund ein Zehntel der berauschenden Wirkung von THC. 

  • Verbesserte Heilung von Knochenbrüchen 

CBN besitzt die interessante Eigenschaft dazu beizutragen, über das Endocannabinoidsystem mesenchymale (“Vorläufer”zellen, die sich in verschiedene Zelltypen entwickeln können) Stammzellen aus dem Knochenmark zur Vermehrung anzuregen. Diese Stammzellen können sich unter anderem in Blutzellen oder auch anderes Gewebe umwandeln. CBN wirkt auf die Umwandlung in Knochengewebe ein und stellt somit eine mögliche Unterstützung für das Knochenwachstum, speziell bei Brüchen dar. 

CBN beschleunigt möglicherweise die Heilung gebrochener Knochen
CBN beschleunigt möglicherweise die Heilung gebrochener Knochen
  • Entzündungshemmer

CBN ist, wenn auch nicht ganz so stark wie CBD und THC, entzündungshemmend. Eine Studie aus dem Jahr 2009 hat CBN als Anti-Entzündungswirkstoff klassifiziert und als mögliche Behandlung für Entzündungserkrankungen wie etwa Allergisches Asthma genannt. Die Wirksamkeit gegen Glaukome (siehe unten) ist unter anderem auch auf die Entzündungshemmung zurückzuführen. Durch Entzündungen steigt nämlich der Intraokulare Druck, der Auslöser für den grünen Star sein kann. 

  • Appetitanreger

CBN hat in Labortests mit Ratten den Appetit der Nagetiere merklich erhöht. Den gleichen Effekt bietet THC, was jedoch mit einer Sinnesbeinflussung einhergeht. CBN ist nicht psychoaktiv und somit unbedenklich, sollte man vor der berauschenden Wirkung von THC zurückschrecken. Die Beweislage ist auch bei der Appetitanregung sehr dünn, speziell was den Effekt auf den Menschen betrifft. Es bedarf weiterer Forschungen. 

Cannabinol wirkt appetitanregend
Cannabinol wirkt appetitanregend
  • Schutz vor grünem Star (Glaukom)

Labortests an Hasen haben ergeben, dass CBN eine Senkung des 

Augeninnendrucks bewirkt, genauso wie THC und CBD. Hoher Augeninnendruck stellt großes Gefahrenpotential dar, an grünem Star zu erkranken. Somit wäre CBN, laut aktuellem Kenntnisstand, zuträglich für die Prävention und evtl. bald eine alternative Unterstützung zu klassischer Medizin. 

  • Schlafförderung (eingeschränkt!)

CBN wird oft als schlaffördernd bezeichnet. Diese Behauptung allein ist allerdings nicht wahr. Es bedarf weiterer Studien um diese These zu verifizieren. Eine Möglichkeit, warum Personen von schlaffördernder Wirkung von CBN berichtet haben (es soll sogar stärker gewirkt haben als Valium!) ist die Wechselwirkung mit anderen Cannabinoiden, die auch im Verdacht stehen, schlaffördernde Effekte auszulösen – Stichwort Entourage Effekt. Des weiteren führen sowohl CBN als auch CBD zu einer Entspannung von Körper und Geist und könnten sich somit auch sehr positiv im Kampf gegen Schlaflosigkeit wirken.

Cannabinol steht in dem Ruf schlaffördernd zu wirken
Cannabinol steht in dem Ruf schlaffördernd zu wirken

Nebenwirkungen von Cannabinol

Die Nebenwirkungen von CBN werden als größtenteils harmlos beschrieben. Und diese beziehen sich auch nur auf den Konsum großer Mengen – dies gilt auch für andere Cannabinoide. CBH-Konsumenten, die auf einmal größere Mengen des Wirkstoffs konsumieren, könnten folgende Nebenwirkungen erleben: 

  • Schwindelgefühl
  • verstärkte Müdigkeit
  • Benommenheit
  • Appetitverlust

Wo findet man Cannabinol?  

Gerade für Leute, die vor der Einnahme von THC wegen seiner berauschenden Wirkungen zurückschrecken, werden sehr an Cannabinol interessiert sein. Cannabissorten mit besonders hohen CBN Anteilen wird man allerdings vergeblich suchen. 

Cannabinol entsteht tatsächlich durch den natürlichen Alterungsprozess von Cannabis. Allerdings gibt es nach und nach immer mehr Firmen, die CBN-haltige Produkte auf den Markt bringen. Grund hierfür ist natürlich die immer weiter fortschreitenden Forschung auf dem Gebiet der Cannabinoide und die zunehmende Erkenntnis um die großartige und natürlich Wirkung. 

Wie konsumiere ich Cannabinol (CBN)?

CBN wird hauptsächlich oral eingenommen, entweder über Öle (spezielle CBN Öle oder Full-Spectrum Öl) oder CBN-Kapseln. 

Es gibt bereits vereinzelt Anbieter von Ölen, die speziell hohe CBN Gehalte aufweisen um die oben angesprochenen Effekte zu bewirken. Diese werden besonders mit dem Versprechen des schnellen und tiefen Schlafes beworben.

Alternativ dazu kann man auch eigene Cannabinolkapsel herstellen. Dazu muss man (sofern legal natürlich) nichts anderes machen als altes Cannabis in Kokosnussöl erhitzen und ein paar Stunden köcheln lassen. Der Aufguss wird dann mithilfe eines Kapselfüllers zu fertigen CBN-Kapseln verarbeitet. Diese können zu Mahlzeiten eingenommen werden – viele Cannabinolkonsumenten schwören nämlich auf eine viel höhere Wirkung wenn Cannabinol mit Essen zusammen zugeführt wird. 

Cannabinol wirkt laut Erfahrungsberichten besonders gemeinsam mit Nahrung
Cannabinol wirkt laut Erfahrungsberichten besonders gemeinsam mit Nahrung

Ist Cannabinol legal? 

Cannabis, Marihuana, THC – das sind Begriffe, die immer wieder in den Medien auftauchen und heftig diskutiert werden. Wenn es um die Legalität bestimmter Pflanzen per se geht oder um einen gewissen Inhaltsstoff, ist sich die Rechtsprechung einig: verboten. So ist es zumindest in vielen Ländern. Was ist nun aber mit anderen Inhaltsstoffen derselben Pflanze?

Interessanterweise ist CBD zum Beispiel so gut wie überall legal. Manchmal gibt es Feinheiten zu beachten, welche die Konzentration betreffen, aber im großen und Ganzen handelt es sich dabei um einen legalen Inhaltsstoff. 

Was ist nun mit Cannabinol, das ja eigentlich aus THC, dem verbotenen großen Bruder entstanden ist? Dabei ist sich die Gesetzgebung schon nicht mehr sicher und viele dementsprechende Fragen rutschen in einen Graubereich ab. 

Man kann aber davon ausgehen, dass zukünftig die Gesetzgebung auch Derivate und Abbauprodukte der verbotenen Substanzen ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen wird. Sollten Marihuana und THC nicht komplett legalisiert werden, könnte es somit auch für CBN kritisch werden. 

 

 

Quellenangabe:

Glaukom: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3202504/

Stammzellen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17205329

Appetitanreger: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22543671

Entzündungshemmer: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2828614/

Krampflösende Wirkung: https://link.springer.com/article/10.1007/BF00421539

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