CBG (Cannabigerol) – der “Mutterwirkstoff” des Hanf und der Unterschied zu CBD 

Michael Saurug
16. Dezember 2019

CBG ist ein eher unbekanntes Phytocannabinoid, das in seiner Wichtigkeit aber nicht unterschätzt werden sollte. CBG oder Cannabigerol ist nämlich in seiner Säureform (CBGA) das erste Cannabinoid, das von der Hanfpflanze gebildet wird. Cannabigerol stellt somit die Vorstufe aller anderen pflanzlichen Cannabinoide dar.

Es wirkt nicht-psychoaktiv und kommt in manchen Hanfgattungen in großen Mengen vor. Mit fortschreitendem Alter der Pflanze wird CBGA aber in andere Phytocannabinoide umgewandelt – CBG ist nur mehr zu kleinen Teilen vorhanden, wohingegen andere Cannabinoide überwiegen. 

 

Entstehung von CBG

Die Stoffe, die aus Cannabigerolsäure (CBGA) entstehen sind unter anderen die gut bekannten und für ihre positiven Eigenschaften beliebten Cannabinoide CBD, THC und die die weniger populären Cannabinoide CBC und CBG

In dem nachfolgenden Diagramm kann man erkennen, dass CBG, genauso wie THC, CBD und CBC aus ihren Säuren entstehen, CBG allerdings einen Zwischenschritt auslässt und direkt aus der Ursprungssäure CBGA decarboxyliert wird.

Bei der Decarboxylierung wird eine Kohlenstoffdioxidmolekül von der jeweiligen Säure abgespalten – dies geschieht durch die Erhitzung der Säure oder die direkte Einwirkung von UV-Licht. Das Produkt nach diesem Vorgang ist entweder THC, CBD, CBC oder CBG. 

Je nach Sorte der Cannabispflanze werden aus CBGA direkt unterschiedliche Mengen THCA und CBDA. In weiterer Folge beinhaltet die Pflanze je nach Sorte entweder mehr THC oder mehr CBD. CBG ist in der Regel sehr wenig enthalten, wenn die Pflanze älter wird. 

Aus diesem Grund werden Cannabissorten mit sehr hohen CBG-Gehalten in den Phasen ihrer Wachstumszyklus miteinander gekreuzt, in denen sie das meiste CBG enthalten. Dieser Zeitpunkt ist ca. in der sechsten Woche der achtwöchigen Blütezeit. Diese Vorgehensweise macht dann Sinn, wenn man Pflanzen mit sehr hohen CBG Anteilen erhalten will. 

 

Wie wirkt CBG? 

Das körpereigene Endocannabinoidsystem ist der Grund, warum Cannabinoide, wie etwa CBD oder CBG wirken können. Es verhilft dem Körper zur Homöostase, dem inneren Gleichgewicht, indem es die verschiedensten physischen und psychischen Körperfunktionen beeinflusst. 

CBG hat laut, leider noch nicht sehr stark belegten, Forschungsergebnissen sehr spezifische Eigenschaften. Es soll auf sehr bestimmte physiologische Probleme anwendbar sein und die Ergebnisse bisher sind sehr verheißungsvoll. 

Dazu kommt noch, dass CBG nicht psychoaktiv wirksam ist und somit seine Anwendungsmöglichkeiten noch zahlreicher sind. Darüber hinaus ist CBG nicht abschreckend für Personen, die den Gedanken nicht mögen, dass sie mit Cannabisprodukten Stoffe mitkonsumieren, die per Definition als Rausch- oder Betäubungsmittel klassifiziert werden (wie etwa THC). 

  • Es gibt Hinweise darauf, dass CBG bei grünem Star sehr vielversprechende Ergebnisse erzielen kann. Das Endocannabinoidsystem ist speziell in den Augen mit einem sehr dichten Rezeptorennetzwerk vorhanden und genau hier kann CBG deswegen seine Wirkung entfalten. Grüner Star führt durch sein Fortschreiten zu irreversiblen Augenschäden und Schädigungen des Sehnervs – CBG soll hier durch seine gefäßerweiternde und augeninnendrucksenkende Wirkung schützend eingreifen. 
  • CBG steht im dringenden Verdacht Krebszellen zu bekämpfen. Im Speziellen soll CBG Rezeptoren blockieren, die für das Krebszellen zum Wachstum anregen. 
  • Tierversuche an Mäusen haben gezeigt, dass CBG ein effektives Mittel gegen Entzündungserscheinungen, speziell chronische Darmentzündungen (Morbus Crohn), bei Mäusen darstellt. Die Annahme besteht daher, dass dieser Effekt auch auf den Menschen zutreffen kann. 
  • Ein weiterer Tierversuch hat ergeben, dass CBG erfolgreich bei der Krankheit Chorea Huntington angewandt wurde – CBG wirkt hier als Neuroprotektor, also als Schutzmaßnahme für Nervenzellen gegen die degenerative Nervenerkrankung. 
  • CBG eignet sich aufgrund seiner antiseptischen Wirkung bei äußerlichen Anwendung zur Bekämpfung von Bakterien, besonders gegen Staphylokokken, die unter anderem verantwortlich sind für Furunkel, Muskelentzündungen, aber auch Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Herzmuskelentzündungen. Es soll gut geeignet sein zur Behandlung diverser Hautinfektionen, die besonders durch diesen Bakterienstamm ausgelöst werden. 
  • CBG besitzt darüber hinaus appetitanregende Eigenschaften, die wiederum bei Ratten nachgewiesen werden konnten. Die Tatsache, dass CBG den Appetit erhöhen kann, lässt es vielversprechend sein als Maßnahme gegen Gewichtsverlust und Abbau von Muskelmasse besonders bei schweren Krankheiten inklusive Krebserkrankungen.  

 

Warum ist CBG wichtig und teuer? 

Cannabigerol stellt die ursprünglich chemische Verbindung dar, aus der in weiterer Folge andere Cannabinoide entstehen. Zusätzlich besitzt CBG selbst schon erstaunliche Eigenschaften, die andere Cannabinoide nur teilweise besitzen. Es wirkt sehr spezifisch und kann dementsprechend gezielt eingesetzt werden. 

CBG wird vorwiegend aus Cannabisjungpflanzen gewonnen oder auch aus den Samen der Hanfpflanze. Allerdings ist CBG in den meisten Fällen nur zu sehr kleinen Anteilen vorhanden. Durch die geringe Menge CBG, die man in Hanfpflanzen findet, ist CBG Öl enorm teuer in der Produktion. In den meisten Hanfsorten ist CBD zu 20% vorhanden wohingegen CBG nur zu 1% gegenwärtig ist. Das bedeutet, dass man 20 mal mehr Biomasse an Cannabispflanzen verarbeiten muss, um die gleiche Menge Isolat des Wirkstoffs zu produzieren.

Der Zwiespalt für viele Produzenten liegt bei der Entscheidung zwischen der Produktion von Cannabis mit CBD und THC Schwerpunkt oder dem Anbau von Cannabis aus dem CBG gewonnen werden soll. Diese Entscheidung gilt es nämlich sehr früh zu treffen, da, sollte man sich als Produzent für CBG entscheiden, man das meiste aus den Pflanzen holt, wenn man sie bereits als Jungpflanze erntet bzw. erst sehr CBG-reiche Sorten anbaut. 

Ein weiterer erschwerender Faktor ist, dass bis vor kurzem CBG  noch nicht wirklich bekannt war und die Öffentlichkeit und die Wissenschaft sich eher auf THC und CBD konzentriert haben. Dementsprechend wenige CBG-reiche Cannabissorten gibt es daher. Laut dem Forbes Magazin hat Gentechnik und die Neuzüchtung besonders CBG-reicher Sorten daher aktuell, und nicht zuletzt aufgrund der zu hohen Nachfrage am Markt für bestehende Produktionskapazitäten, einen hohen Stellenwert. 

 

Wie unterscheidet sich CBG von CBD? 

Trotz seiner Abstammung von CBGA unterscheidet sich sowohl CBD als auch THC von CBG nicht nur in der Wirkung sondern auch in der chemischen Struktur. 

Die oben genannten Effekte unterscheiden sich in vielen Punkten von denen von CBD oder THC. Aufgrund der Tatsache, dass CBG auch erst kürzlich in den Fokus der Untersuchungen gerückt ist, kann man noch nicht zu 100% sagen, welche Eigenschaften der Wirkstoff im Detail hat. Vereinzelte Versuche und Erfahrungswerte sind bisher alles, was die Wirkung derzeit aus wissenschaftlicher Sicht bestätigt. 

 

Warum sollte ich CBG konsumieren und wie komme ich zu CBG? 

CBG kann man als eigenes CBG Öl erwerben und konsumieren. Von Cannabinoiden, zu denen CBG genauso wie CBD, THC und viele andere (mehr als 100) zählt, weiß man allerdings, dass es einen zusätzlichen Nutzen hat, wenn man sie zusammen konsumiert. 

Dieser Effekt wird auch Entourage-Effekt genannt. Durch den Entourage-Effekt wechselwirken die Cannabinoide untereinander und verstärken somit den Gesamteffekt auf das Endocannabinoidsystem. Die Einnahme von einzelnen Cannabinoiden ist daher zwar oft möglich (weil es manche auch als Isolat gibt) aber nur in den wenigsten Fällen sinnvoll, da man vom bestmöglichen Effekt ja nicht Gebrauch macht. Sinnvoll wäre es unter Umständen wenn man Cannabisprodukte meiden will, die Cannabinoide enthalten, die auf die Psyche einwirken (wie etwa THC oder CBN). 

 

 

Quellenangabe:

Gemma Navarro,1,2 Katia Varani,3 Irene Reyes-Resina,2,4 Verónica Sánchez de Medina,5 Rafael Rivas-Santisteban,2,4 Carolina Sánchez-Carnerero Callado,6 Fabrizio Vincenzi,3 Salvatore Casano,7 Carlos Ferreiro-Vera,6 Enric I. Canela,2,4 Pier Andrea Borea,3 Xavier Nadal,5,* and Rafael Franco2,4 (2018). Cannabigerol Action at Cannabinoid CB1 and CB2 Receptors and at CB1–CB2 Heteroreceptor Complexes. . 2018; 9: 632. Published online 2018 Jun 21. doi: 10.3389/fphar.2018.00632

Nadolska K1Goś R (2018).[Possibilities of applying cannabinoids’ in the treatment of glaucoma].  2008;110(7-9):314-7.

Borrelli F1Fasolino IRomano BCapasso RMaiello FCoppola DOrlando PBattista GPagano EDi Marzo VIzzo AA (2013). Beneficial effect of the non-psychotropic plant cannabinoid cannabigerol on experimental inflammatory bowel disease.  2013 May 1;85(9):1306-16. doi: 10.1016/j.bcp.2013.01.017. Epub 2013 Feb 12.

Pagano EMontanaro VDi Girolamo APistone AAltieri VZjawiony JKIzzo AACapasso R (2015).Effect of Non-psychotropic Plant-derived Cannabinoids on Bladder Contractility: Focus on Cannabigerol.  2015 Jun;10(6):1009-12.

Lassalle, J (2019). Why CBG (Cannabigerol) Is One Of The Most Expensive Cannabinoids To Produce. found online: https://www.forbes.com/sites/janellelassalle/2019/09/11/why-cbg-cannabigerol-expensive-produce/#9238b422f771. last accessed November 20th. 2019.

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on linkedin
Michael Saurug

Michael Saurug

Twitter Facebook Nach oben scrollen